Altern (30)

Die Begrenzung des Lebens kann als bedrohlich oder bereichernd erlebt werden. Die Annahme dieser Grenze macht deutlich, dass das Leben einmalig ist. Der Tod vollendet jedes Leben. Das ist eine andere Sicht auf das Ende. Ein Leben beginnt mit  der Geburt und erhält seine Vollendung mit dem Tod, dem notwendigen Schlussakkord.

Der verantwortliche Umgang mit dem Leben kann mit zunehmendem Alter steigen, ebenso wie die Dankbarkeit für jeden Augenblick. Gerade das Annehmen der zeitlichen Begrenzung gibt dem Alter sein spezifisches Lebensgefühl und seine Möglichkeiten. Meines Erachtens ist dieser positive Umgang mit der Begrenzung nur dann wirklich gelungen, wenn es nicht nur um "ein Hinnehmen und das Beste daraus machen" geht, sondern um einwilligendes Akzeptieren. Vielleicht kann die Grenze deswegen angenommen werden, weil Gott diese Demarkationslinie für uns letztendlich doch wieder aufgehoben hat in dem Versprechen, dass seine Zuwendung auch über den Tod, also über die Begrenzung hinaus besteht.

Wenn wir den Tod als Grenze nicht annehmen, hindert er uns unter Umständen am Leben. Eine Geschichte erzählt: Ein Mann wird von einer Schlange bedroht, er beginnt gegen sie zu kämpfen. Die Schlange ist übermächtig, er flieht, sie folgt ihm und der aussichtslose Kampf beginnt von vorne. Seine Kräfte verzehren sich, er kann nichts mehr leisten. Ein Weiser sieht dieses vergebliche Bemühen und rät, vor der Schlange nicht mehr zu fliehen. Es solle sich neben die Schlange legen, sich ihren Windungen anpassen, nur das würde ihn retten, sie würde ihn niemals mehr angreifen. Der Mann tat es und war tatsächlich gerettet. (W. Hoffsümmer, Kurzgeschichten 2, Mainz 1983, 120f.)

Die Begrenzung menschlichen Lebens kann sich vielfältig zeigen, z. B. in körperlichen Einschränkungen. Aber damit wird die Möglichkeit der geistigen Entgrenzung nicht genommen, die Fähigkeit des Transzendierens, also der Ausweitung unserer „Ichgrenzen ins Überpersönliche“. (F. Riemann, Die Kunst des Alterns, Stuttgart 1981, S.61)

Die Möglichkeiten unabhängig vom Alter die eigenen Grenzen zu überschreiten sind gegeben in der Hingabe an Gottes Wort und im Gebet.    


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