Die Bedeutung der geschwisterlichen Seelsorge


„Da konnte ich so richtig mein Herz ausschütten und weinen darüber, dass ich die Diagnose Lungenkrebs bekommen habe“, berichtete mir die Pfarrerin, eine ca. 45 jährige Frau, die ich im Krankenhaus besuchte, weil sie zu meiner Gemeinde gehörte. Es war eine „grüne Dame“, eine Frau der ehrenamtlichen Krankenhaushilfe, bei der sie sich so geborgen fühlte. Zuhören, Trösten, Beistand leisten, ist nicht an das Hauptamt gebunden. 

Geschwisterliche Seelsorge findet alltäglich statt. Sie soll im Folgenden in besonderer Weise gewürdigt werden. Menschen, die ehrenamtlich in unterschiedlichen Feldern helfen, sind da, wenn sie gebraucht werden und verrichten für Patienten Handgriffe, die ihnen zurzeit nicht möglich sind, besorgen etwas oder benachrichtigen jemanden. Sie tun, was getan werden muss, weil es den Kranken oder Sterbende nicht möglich ist. Dabei kommt es, wie geschildert zu einem interessanten Phänomen: ihnen, den Ehrenamtlichen, teilt der Kranke viel mehr mit als er anderen zu sagen bereit ist. 

Aus der supervisorischen Arbeit mit Ehrenamts- und Hauptamtsdiensten, wie Krankenschwestern, zeigte sich, dass mit den Frauen vom Ev. Krankenhausdienst viel direkter und unmittelbarer über die tödliche Bedrohung durch eine Krankheit geredet wird. Verständlich wird das, wenn man sich vor Augen führt, dass sowohl die Ärztin als auch der Pfleger und ebenso der Krankenhausseelsorger in das System Krankenhaus eingebunden sind. Man ist bereit, sich ihnen situationsangemessen zu öffnen. Die „grüne Dame“ aber ist der „Mensch von nebenan“, dem alles das, was einem selbst passiert auch passieren kann. So sieht vielfach die Wahrnehmung aus. Das Gespräch mit dem/der Ehrenamtlichen geschieht auf Augenhöhe. Ihr/ihm schüttet man unverhohlen das Herz aus, wo bei anderen Gespräch eher „Vorsichtsmaßnahmen“ greifen. Beispielsweise. erzählt man dem Arzt nicht alles, weil man eine baldige Entlassung nicht gefährden will oder auch bei dem Seelsorger werden Dinge wohl dosiert berichtet. Denn ihn trifft man später evtl. in der Gemeinde wieder und man will das eigene Bild über sich in dieser Gemeinschaft nicht gefährden. Der „grünen Dame“ aber kann man alles erzählen, was man auf dem Herzen hat, die weiß, wie das Leben ist. Gelebte geschwisterliche Seelsorge im Alltag leuchtet uns entgegen, das ist alltägliche Ausführung des eher steilen lutherischen Begriffs vom „Priestertum aller Gläubigen“.


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