Alltägliche Merkwürdigkeiten


10.11.2020: Erntezeit

Für mich ist der Oktober nicht nur der Erntemonat, sondern in besonderer Weise der Monat der Äpfel. Gerade hier im Alten Land, dem größten zusammenhängenden Obstgebiet Nordeuropas, in dem Kirschen, Birnen und vor allem Äpfel reif werden. Geworben wird auf den großen Transportern, die die Früchte in ganz Deutschland verteilen, für diese Äpfel mit dem Slogan: „Gereift im milden Klima der Elbe“.

Bis vor kurzem hingen sie an den Bäumen auf den unzähligen Feldern in gelben, grünen und roten Farben. Nun sind sie abgeerntet und man kann sie bei uns in den Hofläden oder bei Discountern unter regionalen Produkten kaufen.

So griff ich denn nach einen Sixpack Boskop aus dem Alten Land. „Besonders als Bratapfel geeignet“, hieß es auf der Verpackung. Dass es leider eine „Unverpackung“ aus Plastik war, will ich jetzt einmal Außen vorlassen – mea culpa -.

Bratapfel wollte ich noch keine machen, die haben bei mir erst im Dezember Saison. Also, waschen, aufschneiden, Kerngehäuse rausschneiden und verspeisen! Irgendwie war das Fruchtfleisch nicht so knackig wie vorgestellt. Aber das ist Natur, das kann schon passieren. Ich nahm mir den zweiten Apfel vor. Bearbeitete ihn genauso und fand ein verfaultes Kerngehäuse, was mich stutzig macht. Die Neugier war geweckt und die restlichen Äpfel mussten dran glauben - und siehe da, alle Kerngehäuse waren angeschimmelt und angefault. Da hatte ich wohl die falsche Packung erwischt, war mein erster Gedanke, so ist das eben, ist aber trotzdem ärgerlich.

Mein nächster Besuch beim Supermarkt, am Obstregal, ich nahm ein Stoffsäckchen mit, preiste mir die unterschiedlichsten Apfelsorten an. Spannend war für mich das Schildchen, das ich bei einigen Sorten fand: Neue Ernte. Ich fragte mich: Warum wird etwas für mich im Oktober Selbstverständliches auf die Schilder geschrieben, wie „Neue Ernte“?

Ich glaube mir wäre dazu nichts eingefallen, hätten sich da nicht die Bilder meiner aufgeschnittenen Boskopäpfeln in meinem Kopf gemeldet. Die Vermutung legt sich nah, dass ich letzte Woche alte Äpfel vom Oktober 2019 erstanden habe und der gut gemeinte – oder wie auch immer- Hinweis, dass sich diese Äpfel besonders gut als Bratapfel verwenden lassen, diente der Verschleierung, dass es sich um Vorjahresäpfel handelte, weil man beim Bratapfel das Kerngehäuse in der Mitte entfernt und auf diese Weise evt. übersieht, dass sie schlecht sind.



30.10.2020: Wunder gibt es immer wieder…...

Nun haben wir Maskenpflicht, oft nicht nur in Geschäften sondern auch auf Straßen und Plätzen. Maskenpflicht trotz Vermu

„Wunder gibt es immer wieder, man muss sie nur sehen,“ sang erfolgreich Katia Ebstein. Wunder gibt es immer wieder angesichts oder trotz Corona-Pandemie.

Philosophen, kluge Köpfe etc. beschwören die Vorzüge der Bedrohung. Es geht darum, die Stunde zu nutzen, die Chancen zu erkennen: „Weniger, langsamer, klimabewusster…“. Das leuchtet mir ein.  Wie das aber genau gehen kann, sagt niemand. Im Moment sehe ich viele einsame Menschen, die noch einsamer sind, Sterbende, die allein Abschied von der Welt nehmen müssen.

Wo gibt es Lichtblicke? Bitte halten sie sich fest - beim Arzt, beim Arztbesuch! Da sind Wunder passiert. Im sonst knallvollen, bakterienverteilenden Wartezimmer meiner Ärzte sitzt ein Patient, der sonst bevölkerte Flur ist mit zwei Patienten bestückt. Die Wartezeit von sonst mindestens eine Stunde ist auf Sofortaufruf zum Gang in das Arztzimmer geschrumpft. Ich gehe mit Termin zum Arzt und bin innerhalb kürzester Zeit und behandelt wieder draußen und das ist kein Einzelfall!!

Es geht: Terminvergaben beim Arzt, die eingehalten werden, welche Wunder. Wie kann das überhaupt sein. Jahrelang wurde erzählt, dass es in keiner Praxis wirklich möglich sei, die Wartezeiten gering zu halten. Corona scheint allmächtig zu sein.

Mit Verlaub gesagt, ich frage mich natürlich, warum man eine Pandemie benötigt, um eine halbwegs vernünftige Terminplanung hinzubekommen? Nun gut, diese Frage durfte man sich zu Normalzeiten eben gar nicht stellen.

Ich fasse es einfach nicht – es klappt, nicht nur beim Hausarzt, auch beim Facharzt.

Alles ist möglich, wenn Corona es will. Warum gehen gute Sachen, wie Nicht-Warten-Müssen beim Arzt im übervollen Wartezimmer mit Ansteckungsgefahr nicht auch ohne Pandemie und im normalen Alltag?

Bitte eine Erklärung – ich weiß keine! Ich bin dankbar für Antworten oder ich werde ewig weiterdenken müssen: „Wunder gibt es immer wieder.“



17.10.2020: Maskenpflicht?

Nun haben wir Maskenpflicht, oft nicht nur in Geschäften sondern auch auf Straßen und Plätzen. Maskenpflicht trotz Vermummungsverbot. Wie schnell sich Themen und Werte ändern können. Keine Frage, die Gesundheit der Bevölkerung steht über dem Gesetz, dass man sich nicht vermummen darf. Ist Maske eigentlich das richtige Wort? Wann trägt man Masken, frage ich mich?

Masken werden im Karneval getragen, um sich unkenntlich zu machen, sich zu verkleiden, ein anderer zu sein. Masken tragen Feuerwehrleute oder Menschen, die mit giftigen Gasen in Berührung kommen. Also, wie soll das Ding heißen, dass wir tragen sollen? Mund- und Nasenschutz? Auch nicht viel besser, weil ich nicht unbedingt meinen Mund und meine Nase schütze, sondern die gesamte Person des anderen, der mir begegnet. Die Gesichtskleiderordnung hat begonnen, auch wenn ich und viele andere nicht wissen, wie wir es bezeichnen sollen.

Trotzdem ist das Tragen dieser Dinger für mich lästige Pflicht. Es ist notwendig angesichts einer übermäßigen Bedrohung und macht das Benutzen sinnvoll. „Sieh` es doch als modisches Accessoire an,“ hieß ein gutgemeinter Rat. Das ist eine Möglichkeit, und diese sogenannten Gesichtsmasken werden ja in allen Formen und Farben angeboten. Auch Aufschriften sind möglich.

Es gab eine Zeit, in der man sein Leben auf dem Auto verewigte. Da konnte man lesen: „Abi 2019“, „Opa 2020“ etc. etc.. Persönliche Ereignisse könnte man jetzt per Maske sprichwörtlich vor sich hertragen. Warum nicht? Dann hat das Maskentragen nicht nur die Botschaft, dass ich nicht zu den Pandemieleugnern gehöre, sondern noch eine andere. Meins wird diese Idee nicht. Sollte uns diese Pflicht aber noch viel länger erhalten bleiben, kann man sich das Tragen damit versüßen.

Folgenden Aufschrift-Vorschlag mag einige schockieren, andere amüsieren:



03.10.2020: Willkommen zuhause!

Von den Alltagsmerkwürdigkeiten werde ich nun immer wieder berichten, nachdem das Reistagebuch geschlossen ist. Abgeschlossen ist die Reisetätigkeit für uns wahrscheinlich noch nicht, aber im Moment steht das Ankommen und Einleben im deutschen Alltag an.

Wenn man, wie wir, sozusagen von außen oder neu das Leben in Deutschland anschaut, fällt Einiges auf, was sonst das Blickfeld durch Gewöhnung und Gewohnheit nicht betritt.

Mein erster Gottesdienstbesuch fand vor der Kirche im Freien mit gebührendem Abstand statt. Mundschutz, Desinfektion, Anschrift hinterlassen, alles war nach Vorschrift geregelt. Störend war der Straßenlärm und vieles mehr. Gesungen wurde auch, aber vom Liedblatt. Die Verantwortlichen hatten sich redlich bemüht, alles richtig zu machen.

JW-201022-HGS

Sehr interessant war für mich, die ich mich mit dem PKW zu diesem Ort bewegte, dass ich an einem Flohmarkt auf einem großen Platz eines Autohauses vorbeikam und feststellen musste, dass viele Menschen dort dicht gedrängt ohne Mundschutz von Tisch zu Tisch zogen. Es waren keine Ordner zu sehen, der Zugang war nicht beschränkt.

Das ist kein Einzelfall lernten wir, als wir heute eine Gartenmesse besuchten. Ich bin kein Verschwörungstheoretiker und trage meinen Mund- und Nasenschutz, aber es gibt doch Auffälligkeiten, die zu denken geben, und vor allem nicht nachvollziehbar sind.

So einiges Unstimmiges zeichnete sich in dem Augenblick ab, als die Coronaregeln just zu den Ferienzeiten gelockert wurden; und das Ergebnis zeigt sich jetzt im massiven Anstieg der Ansteckungsfälle. Nicht nur Entscheidungsinstanzen treffen zum Teil widersprüchliche Verfügungen, auch das Schicksal scheint Spaß am Unverständlichen zu haben: Donald Trump erkrankt an Corvid 19.

Das Leben ist wie es ist, manches Mal unverständlich durch menschliches Handeln, das andere Mal zu komisch, ohne menschliches Dazutun.


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