Das dritte Jahr in Ungarn 


Das dritte Jahr in Ungarn – ist das Land unsere zweite Heimat geworden – oder überwiegt das Fremde?


Es tut sich was...

Die Mülltrennung, bisher eher rudimentär in Ungarn vertreten, hat Einzug gehalten.

Die in einem der letzten Blogs fotografierten Müllplätze gibt es nicht mehr. Sie sind flächendeckend verschwunden.

Stellt sich die Frage, wohin mit dem vom Restmüll getrennten Abfall? Für viele deutsche Bewohner war der ortseigene Müllplatz die letzte Rettung, um den getrennten Müll los zu werden.

Aber siehe da: Der gelbe Sack ist eingezogen. Die Nutzung ist etwas anders als bei uns. Dorthinein kann man auch Papier und Glas geben, die Inhalte des gelben Sacks werden auf Förderbändern getrennt. Und es gibt einen besonderen Service: Man muss den gelben Sack nicht besorgen, man kann es zwar auf dem Bürgermeisteramt tun, aber man bekommt die Anzahl der abgegebenen, neu wieder hingelegt.

Ursprünglich gingen wir davon aus, dass die Abfuhr alle vier Wochen stattfindet, aber auch das gestaltet sich komfortabler, die Entsorgung passiert alle 14 Tage.

Und die großen Discounter haben nun Möglichkeiten geschaffen, Plastikflaschen zurück zu geben. Von einem Pfand-System wie bei uns kann man so nicht reden, bei einigen gibt es ein paar Forint pro Flache. Das geht umgerechnet gegen Null, wenn man weiß, dass 300 Forint ein Euro sind.

Für viele Trennaktivisten ist das ein echter Forstschritt und ich denke für alle anderen aus.

Die Unsitte, die es in Deutschland auch gibt, Gartenabfälle mehr oder weniger unbemerkt in den Wald zu schmeißen, und auf diese Weise zu entsorgen, ist auch hier verbreitet. Wir hoffen, dass sich auch diese Auswüchse, egal in welchem Land, ausrotten lassen.

Der Schritt von der Mülltrennung hin zum Bewusstsein, dass es sich bei Abfall um Wertstoffe handelt, wie unsere Wertstoffhöfe, dies begrifflich verdeutlichen, ist einer, der in unseren Köpfen passieren muss/darf.    


Krank sein und sterben...

Viele der deutschen Residenten oder Semiresidenten in der Gegend um den Balaton lassen ihre körperlichen Beschwerden in Deutschland bessern oder heilen. Nicht immer reicht die Zeit noch aus, wenn jemand plötzlich schwer erkrankt, den Patienten zumindest nach Österreich zu bringen. Die ungarischen Krankenhäuser aber haben gut ausgebildetes Personal und Hilfe wird jedem gewährt.

Und die medizinische Fakultät von Budapest ist eine der gefragtesten Ausbildungsstätten in Europa. Die Studiengebühren können sich nur wenige leisten.

Die medizinische Versorgung hier vor Ort wird sehr unterschiedlich beurteilt. „Mein Mann hatte ernsthafte Beschwerden im Galle- und Leberbereich, die Behandlung und die Röhrchen, die sie ihm gesetzt haben, habe ich in Deutschland noch nie so erlebt,“ berichtet eine ehemalige Gesundheits- und Krankenpflegerin von den Erfahrungen ihres Mannes. Manche stören sich daran, dass es noch Zimmer mit bis zu sechs Betten gibt.

Die Krankenversicherung, die auch deutschen Umgesiedelten zu Gute kommt, bietet Einiges. Die Gleichbehandlung aller im Wartezimmer Vorfindlichen ist gewährleistet, da die Assistentin im Arztzimmer sitzt und es in der Regel keinen Empfang gibt. Also sitzt man vor der Tür und merkt sich, wer vor einem drankommt. Viele Ärzte sprechen Deutsch. Eine sogenannte offene Badekur kann vom Mediziner zweimal pro Jahr verordnet werden; das nehmen viele gerne wahr.

Auch die intensiv medizinische Ausstattung lässt nichts zu wünschen übrig. Die palliative medizinische Begleitung ist nicht so ausgebaut wie in Deutschland. Die Versorgung Schwerstkranker mit starken Schmerzen ist gewährleistet, aber die Zuteilung der schmerzstillenden Mittel wird wesentlich strenger gehandhabt. Dazu passt, dass schon geringer Besitz illegaler Drogen aufs Härteste bestraft wird.

Eine Patientenverfügung, wie wir sie in Deutschland kennen, gibt es in anderer komplizierter Form. Im Besitz der geistigen Kräfte muss bei einem Notar die Verfügung verfasst werden und ein zweiter Notar muss die Zuständigkeit der genannten Betreuer bestätigen. Das wirkt aufwändig.

Dafür ist die Beerdigung unkomplizierter. Die Asche eines Menschen wird vom Krematorium auch in einem Plastikbeutel mit nach Hause gegeben. Eine Beerdigung der Asche in einem Gefäß ist auf dem eigenen Grundstück möglich.


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