Jesus


Jesus - wer war und wer ist das?

Woher kommt das eigene Verständnis von Jesus? Es gibt  Romane und historische Darstellungen über ihn, Filme, Musik, und das Neue Testament in der Bibel, nicht zu vergessen die vielen Abbildungen und Kreuze in den Kirchen und die kirchliche Lehre. Aus all dem kann ausgewählt und das eigene Jesusbild geformt werden, das von „Jesus der Mensch“ bis hin zu „Gottes Sohn“ und Weltenrichter am Ende der Zeit reicht. Welche Bedeutung hat Jesus für den Glauben in dieser Zeit? Ist hauptsächlich seine Lehre und das Vorbild seines Lebens wichtig oder sein Tod als Opfer zur Vergebung der Sünden und seine Auferstehung als Beginn neuen Lebens? 

Jesus der Mensch

Jesus war der Sohn von Maria und Josef, er hatte vier Brüder und einige Schwestern, sein Leben und Sterben sind historisch belegt. Er war Jude und wurde während der letzten Regierungsjahre Herodes’ des Großen geboren, in den Jahren 7 - 5 unserer Zeitrechnung. Er war von Beruf Bauarbeiter. Er kam in Kontakt mit der Taufbewegung (26/ 28 n. Chr.) und ließ sich taufen. Dieses Ereignis kam für ihn einer Berufung gleich. Er wirkte ca. 3 Jahre und wurde vermutlich im Jahr 30 gekreuzigt.

Jesus wurde als Lehrer, Wundertäter, Heiler gesehen. Er hat viele Menschen nachhaltig beeindruckt und beeinflusst.  Er brachte den Menschen die Nähe Gottes und die Grundsätze seines Willens (beides zusammen wird auch als „Reich Gottes“ bezeichnet). Jesus, der Mensch, stand in einer besonderen, einzigartigen Beziehung zu Gott, er stand Gott nahe. („Gesicht“ Gottes, Konzil von Chalcedon (im Jahre 451 n.Chr.). Er war ein von der Urmacht Gottes erfüllter, ein geistgefüllter Mensch.

Er ließ erkennen, wie gutes, gottgefälliges Leben für Menschen aussieht und möglich ist. Wie Gott ganz in einem Menschen da sein und wirken kann.

Viele haben damals seine Botschaft nicht aufnehmen können und wollten. Heute würde man von Überforderung sprechen. Seinen Gegner machte sie Angst.

Jesus ging davon aus, dass die Gottesherrschaft (Lk 17,20f) schon begonnen hat und ihre endgültige Durchsetzung kurz bevor stand. Er hat sich wohl als Repräsentant des Gottes Reiches verstanden. Menschen spürten dies, weil sie in seiner Nähe Heilung und Heil erfuhren. Er behandelte Frauen und Kinder gleichwertig. Er setzte sich mit Frauen über Glaubensfragen auseinander (Maria und Martha). Seine Hinwendung zu Ausgegrenzten (Zachäus, der Steuereinnehmer) verwirrte viele, die das mit erlebten. Seine Nähe war für viele heilsam. Die Menschen erlebten, was es heißt, geliebte Kinder Gottes zu sein. Das bedeutet gleichzeitig, dass die Menschen Geschwister untereinander sind. Sich gegenseitig helfen, wenn Not ist, sich beistehen, wenn einer scheitert (Gleichnis verlorener Sohn), ist das angemessene Tun.

Das Reich Gottes ist mit Jesus auf der Welt angebrochen. Es bringt Gottes Nähe und seinen Willen. Das bedeutet, dass der Mensch wichtiger ist als die Einhaltung von leeren Gesetzeshülsen. Jesus verteidigte das Ährenraufen (d.h. arbeiten) am Sabbat, weil die Jünger Hunger hatten. Er heilte am Sabbat um der Menschen willen. Diese Haltung macht außer der Gesetzeskritik deutlich, was gute Gesetze bewirken sollen, nämlich, dass sie dem Menschen nützen und dienlich sind. Die Gesetzesbeachtung war durch rigides Buchstabenverständnis verfälscht worden.

Das Besondere und Einzigartige an Jesus war, dass er Leben und Welt als Geschenk und Gnade verstand und dies besonders den Armen und Benachteiligten verkündete.

Bezeichnungen für Jesus  „Sohn Gottes“ sowie „Messias“ und „Christus“ sind Hoheitstitel, die die Menschen Jesus gegeben haben, um seine Würde und Bedeutung für die Gläubigen hervorzuheben. Nicht alle hat Jesus selbst gebraucht.  Mit „Christus“ und „Messias“ wurde die Hoffnung auf einen neuen und gerechten König, einen neuen David verbunden. Der Titel „Sohn Gottes“ ist analog den Würdetiteln im alten Orient zu verstehen, dort wurden die Herrscher so bezeichnet.

Jesu Tod

Der gewaltsame Tod Jesu war die Konsequenz seines gottgeleiteten und gotterfüllten Lebens. Für die einen war er ein neuer irdischer Herrscher, für andere der Hoffnungsträger einer Revolution. Einer vorwiegend gottlosen Welt wird der Spiegel vorgehalten. Menschen, die das tun, leben gefährlich, weil die Welt, die Menschen, nicht wirklich wissen wollen, wie sie sich verhalten.

Jesus ist nicht für, sondern an den Menschen gestorben. Aber Gott gab dem Tod nicht das letzte Wort. Die tödliche Kraft in den Menschen, die Jesus getötet hat, ist nicht das Letzte. Gottes Handeln ist größer als alles endgültige Tun der Menschen. Jesus scheitert an der Macht des Bösen. Das lässt Gott nicht zu, Jesu Scheitern wird zum Triumph des Lebens über den Tod und das Böse. „Der Tod am Kreuz ist die Offenbarung realer Menschlichkeit: so sind wir; so gehen wir miteinander um.“ (Joachim Kunstmann, Die Rückkehr der Religion, S. 265)

Jesus bleibt bis in den Tod hinein dabei, dass Gott selbst hinter ihm steht und sich in Verbindung mit seiner Person den Menschen zeigt. Wie schon in seinem Leben die Kraft und die Liebe Gottes sich zeigte, so ist im Scheitern und Sterben Jesu eine einzigartige Nähe Gottes zum Menschen hergestellt worden. Im Glauben an Jesus erkennen sie Gott, wie er für sie in Jesus das Schicksal aller Menschen erleidet. Die größtmögliche Solidarisierung Gottes mit Menschen geschieht für sie im Sterben Jesus. Weil Jesu Scheitern, sein Tod kein Scheitern bleibt, erfährt der Mensch in der Auferweckung Jesu eine nicht fassbare Intensität Gottes. Die Menschen haben sie als Heiligen Geist beschrieben.

Jesu Tod ist in diesem Verständnis ein Tod für die Menschen, kein Opfer, weil den Menschen eine neue Dimension über den Tod hinaus eröffnet wurde. Damit geschieht eine Neubewertung des Todes, die einer Überwindung gleichkommt.

Weil in der größeren Wirklichkeit Gottes dem Tod Jesu nicht das letzte Wort gegeben wird, behält auch die Macht des Bösen im Menschen und in seiner Welt nicht das letzte Wort. Jesus ist nicht für die Menschen gestorben. Gott vergibt den Menschen, dass Jesus an ihnen starb. Sie waren nicht in der Lage, seine Botschaft zu verstehen und aufzunehmen. Die Auferweckung besagt, dass es weitergeht mit Gott und den Menschen, er versöhnt sich mit ihnen. Das wurde von den Christen in der Kirche als gleichbedeutend mit Erlösung und Vergebung von Schuld aufgenommen.

Die Auferweckung (Entrückung)

Die Auferweckung Jesus ist nicht als historisches Ereignis zu verstehen. Die Jünger und Jüngerinnen, seine Anhänger haben den Tod Jesu schmerzlich erlebt und erfahren gleichzeitig seine wirkmächtige Gegenwart: Er ist tot – er lebt! Wie kann mit dieser Erfahrung umgegangen werden? Man kann eine der Erfahrungen bestreiten, man kann versuchen dieses Erleben zu rationalisieren. Oder die eigene Wirklichkeit und das Wirklichkeitsverständnis verändern sich. Es wird vereinbar, was unvereinbar erscheint, weil der Glaubende sich als Teil des Geschehens, das Gott wirkt, versteht.

Im Neuen Testament werden überwältigende Erfahrungen mit Jesus nach seinem Tod geschildert. Zur Glaubwürdigkeit dieser Berichte trägt bei, dass Jesus nicht nur Menschen begegnet, die schon zu glauben angefangen hatten, sondern auch denen, die sich von ihm abgewandt hatten. Die Auferweckung Jesu ist ein alles übergreifendes und über sich hinausweisendes Ereignis, er ist nicht in dieses geschichtliche Leben, sondern in ein anderes, größeres Leben hinein auferweckt worden.

Nach Jesu Lebens-Zeit ging es weiter - Bis zur Gegenwart

Ab der zweiten Generation der Christen zeigten sich neue Wahrnehmungen und Formen der Offenbarung Gottes. Gott ist im weitererzählten Zeugnis von Jesus präsent. Jesus ist trotz Leiden und Tod nicht gescheitert, im Heiligen Geist begleitet er bis heute. Der Heilige Geist ist die Kraft Gottes, die Weiterexistenz Jesu auf der Erde, in jedem und jeder und in der Welt. Ein Grund, an die Überwindung des Todes durch Gott zu glauben.

Glauben zu leben, bedeutet nicht, tradierten Lehrsätzen zuzustimmen.

In allen Lehrsätzen etc. begegnet religiöse Erfahrung. Menschen sind dem Unbedingten begegnet und haben das in Worte und Konsense gefasst. Es sind Deutungen von Erfahrungen des Heiligen. Glauben ist eine Lebensperspektive, die offen für das “mehr“ ist und um es weiß.

Im Diskurs mit dem Islam wird zunehmend die Frage nach der Bedeutung der Trinität laut. „Sind drei Götter in einem gemeint?“, so wird gefragt.

Der Urgrund des Seins ist der Gott, der „hinter allem steckt“, der Schöpfergott, er hat das Sein ermöglicht und ermöglicht es durch den Heiligen Geist, weiterhin. Der Begriff „Dreifaltigkeit“ ist von seinem Bildgehalt zutreffend: Gott entfaltet sich in dreifacher Gestalt.

Ein Gedicht dazu:

Passion
Dem Leiden und Sterben Jesu hilflos ausgesetzt,
fragten sie nach dem Wozu und Warum.
Wo ist der Sinn?
So starb er, wie sie meinten: Für unsre Sünden,
Er litt für uns, anstelle von uns,
versöhnte Gott.
War das der Gott Jesu?
Der Gott, den er Abba, Papi nennt?
Dem er vertraute?
Unergründlich: Warum und Wozu.
Viel erklärt und wenig gewusst.
Und doch: er hat durchlitten,
alles, was einem Menschen blühen kann,
bis in die finsteren Tiefen des Todes.
Wozu und Warum? Unergründlich?
In ihm aber zeigte sich der Grund
Im Grund des anderen Gott zu sehen.


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