Altern (23)

Die Gestaltung des eigenen Alters beginnt in den mittleren Jahren, denn „was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“. Dieses Sprichwort gilt heute nicht mehr so ganz, weil Ältere durchaus Neues in den späten Jahren der Freiheit von Beruf und Familie Alter beginnen können. Es kann allerdings leichter sein, wenn man sich in jüngeren Jahren darauf vorbereitet hat.

Die Frage  danach, was ich noch in die Gesellschaft einzubringen habe und was ich einbringen will, kann sich stellen. Das eigene Leben sollte in einen sinnstiftenden und motivierenden Lebensentwurf eingeordnet werden können. 

Allerdings ist hier auch die Gesellschaft gefordert, das Potential des alten Menschen  zu erkennen und Bilder vom Alter zu vermitteln, die förderlich sind und dem alten Menschen Raum für seine Sinnfindung lassen. Individuelle Verhaltensmuster und Lebensformen erwachsen aus gesellschaftlichen Strukturen und kulturellen Überzeugungen. Ältere müssen in unserer Gesellschaft „gebraucht“ werden. Die älteren Menschen brauchen Ermutigung und Zutrauen in ihre Stärken. Das Erfahrungswissen, das Ältere in Bezug auf Familie und Beruf besitzen ist einerseits von unschätzbarem Wert, andererseits scheint es wertlos. Viele Erfahrungen, die ältere Menschen gemacht haben, was sie gelernt haben, werden im Lauf der Zeit überholt, z. B  die Technik Steno zu schreiben oder zu morsen, wird nicht mehr gebraucht. Aber wie früher die Zusammenarbeit funktioniert hat, kann heute hilfreich sein. Und nicht mehr direkt gebrauchte Können, kann als Hobby sinnstiftend auch für andere werden. Ein über 90 Jahre alter Mann unterrichtet an der Volkshochschule Interessierten die Sitterlinschrift.

Von einem grundsätzlich positiv besetzten Bild vom Alter in unserer Gesellschaft sind wir noch weit entfernt sind. Denn ob es nun um die Vermeidung von Risikofaktoren, um die Steigerung von Reserven oder die Erlangung einer altersgemäßen Lebensperspektive geht, es ist immer ein Zusammenspiel von Mensch und Gesellschaft, wenn  erreicht werden soll, das die vielen Jahre des Altern gut und sinnvoll auch für die Gemeinschaft gelebt werden. 


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