Altern (25)

Eine Möglichkeit mit dem Altern um zu gehen, sieht Klaus Winkler darin, das, was man nicht mehr kann, nicht einfach nur hinzunehmen, sondern aktiv anzunehmen, im Sinn einer von ihm so genannten „Verzichtsleistung“ im Alter. D.h, dass im Alter die Begrenzungen und Einbußen in der aktiven oder schöpferischen Leistungsfähigkeit angenommen werden, ohne andauernde Frustration, ohne Klagen, das dies oder das nicht mehr geht. Das ist die eigentliche Verzichtsleistung. „Ich bleibe ich - mein Dasein bleibt sinnvoll - auch wenn ich (zunehmend) eingeschränkt leben muss“ (Klaus Winkler). Bestimmte Möglichkeiten werden sich nicht mehr realisieren lassen. Aber die eigene Identität hängt nicht davon ab.

Menschen zum „Da-Sein“ ermutigen, heißt, sie zu unterstützen, dass sie bewusst darauf verzichten, sich selbst durch Werke zu „erleisten“, heißt, sie erleben lassen, dass das Personsein davon nicht abhängt. „Gott gegenüber ist der Mensch ein Nehmender, insofern er sich selbst von seinem Gott entgegennimmt. Sich selber empfangen zu können, die eigene Person von Gott entgegennehmen zu können - das ist Glaube. Zwar gilt: Geben ist seliger als nehmen. Doch erst recht gilt: Nehmen-können ist seliger als Geben-können. Denn nur wer sich selbst von einem anderen empfangen kann, kann sich selbst einem anderen auch hingeben. (Eberhard Jüngel)

„Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Weib.“ (Gen 1,27). In der Gottesebenbildlichkeit des Menschen ist der Widerstand gegen  die  Unterscheidung von lebenswertem und - unwertem gegeben. Auch ein Leben kurz vor dem Tod ist lebenswertes Dasein. Wenn Menschen auf ein zu Ende gehendes Leben schauen, wird die Frage laut, warum muss das jetzt noch sein? Das ist eine Frage, die Menschen stellen, die von außen auf das Sterben und Abschiednehmen eines Anderen schauen, wie der Sterbende den Abschied erlebt, das weiß niemand. Mir  hilft der Gedanke, wenn ich beim Sterben eines anderen dabei sein darf, dass der andere diese Zeit noch braucht, um Abschied zu nehmen, auch wenn dieses Ende auf mich vielleicht qualvoll wirkt.

 „Da-Sein“ ist eine wesentliche Form menschlichen Lebens, „Sein“ können und dürfen bis zum letzten Atemzug, das ist unser Auftrag.    


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