Altern (40)

Welche Aufgabe hat die Kirche, die Kirchengemeinde in der Frage der Altersentwicklung? Sie ist aus meiner Sicht Ermutigerin, Ermächtigerin und Bereitstellerin dafür, dass alte Menschen bis ins hohe Alter das Gefühl und die Möglichkeit haben, sinnvoll, gemeinschaftsfördernd und nützlich zu leben, eingebettet in eine starke Gemeinschaft, die hilft und umgekehrt auch Einsatz von den Älteren einfordert.

Je mehr alte Menschen sich einbringen und d.h. je mehr Möglichkeiten ihnen bereitgestellt oder geboten werden, um sich einzubringen, je akzeptierter sind sie. Eine Gesellschaft, in der die Zahl der Jahre, die ein Mensch zählt nicht entscheidend sind, ist eine Gemeinschaft, die Alter akzeptiert und integriert. Vorbild kann in diesem Fall das Altersverständnis des Alten Testaments sein, nicht das Alter eines Menschen ist entscheidend, relevant für das Leben ist allein seine Beziehung zu Gott.  Es ist notwendig, dass alte Menschen zu allen Bereichen des Lebens Zugang haben. Bisher wird den jungen Menschen vorrangig der Bereich der Bildung, dem Erwachsenen der Bereich der Arbeit, dem alten der Bereich der Freizeit zugeordnet. In einer altersintegrierten Gesellschaft hat der alte Mensch Möglichkeiten an allen drei Bereichen zu partizipieren. Die Kirchengemeinden könnten Vorreiterrollen auf der Bereitung dieses Weges übernehmen. Sie können alte Menschen ermutigen die Altersrolle anzunehmen, z.B. durch einen bewussten Eintritt ins Altern, eine Initiation ins Alter, der Goldenen Konfirmation.

Kirchengemeinden können die Infrastruktur, die Plattform, die Vernetzungs-möglichkeit bieten, die Menschen brauchen, um ihr Leben außerhalb, nach dem Beruf zu gestalten. Wie können Gleichgesinnte gefunden werden, Ideen veröffentlicht und verwirklicht werden?  Wichtig ist, dass danach gefragt wird, was der älter Werdende will und dass nicht die Bedürfnisse der Gemeinde im Vordergrund stehen, weil man jemand für den Besuchsdienst oder zum Kaffeekochen oder Gemeindebriefaustragen braucht.  Im kirchengemeindlichen Rahmen erscheint mir Umdenken angebracht. Jeder Ehrenamtliche, der sich engagieren will ist wertvoll. Wenn er was anderes machen will, als die Gemeinschaft gedacht hat, sollte überlegt werden, ob sein Projekt nicht doch unterstützt werden könnte und evtl. eine ganz andere Zielgruppe anspricht.


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