Altern (48)


Hoffnung

Worauf kann man im Alter hoffen?  Auf einen gnädigen Tod? Oder gibt es noch etwas anderes auf das ich meine Hoffnung richten kann?

Im allgemeinen Sprachgebrauch wird der Begriff Hoffnung dann verwendet, wenn es um die Besserung einer persönlichen Krankheit geht oder um den Wunsch, dass die politischen Verhältnisse sich verändern: Hoffentlich wird es gut, besser oder anders. Hoffen ist im Deutschen mit dem Wort „hüpfen“ verwandt, „vor Erwartung zappeln“.

Wer Garant der Hoffnung ist, wird selten reflektiert, aber das Hoffen impliziert einen solchen. Die biblische Hoffnung (griechisch: Elpis, lateinisch: spes) nennt ihn Gott. Er steht dahinter, nur, weil es ihn gibt, ist Hoffen sinnvoll.

Im  Alten Testament, das die Gegenwart betont, ist Jahwe Inbegriff der Hoffnung. Alle Erwartungen richten sich auf ihn. Er bewirkt das, was Menschen im Guten oder Schlechten widerfährt.  Im Neuen Testament bewirkt die Hoffnung der Glaubenden, dass sie ausharren und die irdischen Verhältnisse ertragen. Paulus schreibt: Nun bleiben aber dieses drei: Glaube, Hoffnung, Liebe. Sie gehören unmittelbar zusammen. Der Glaube zeigt sich in der Hoffnung, im Vertrauen auf Gott, der am Ende von allem steht. Die Liebe ist die Auswirkung von Glauben im Sinne von Vertrauen und zeigt sich in der Hinwendung zum anderen und in der tätigen Hilfe dem Nächsten gegenüber.

Die Hoffnung verleiht dem Gläubigen Schwingen, die Hoffnung ist in der Zukunft geerdet. Sie ist in Bezug auf den Glauben der dynamische Begriff. Glaube gründet den Menschen in Gott und Hoffnung setzt Menschen in Bewegung. Auch bei Widerständen und Resignation treibt die Hoffnung weiter, die im Gebet eingeübt wird.

Von dieser spirituellen Hoffnung, die sich besonders auf Gott und sein Reich ausrichtet, unterscheidet sich das Hoffnungsverständnis in den Befreiungstheologien. Die Hoffnung richtet sich auch auf irdische Konkretionen, wie die Verbesserung der politischen und gesellschaftspolitischen Verhältnisse, z. B. die Bekämpfung der Armut, des Sexismus und Rassismus. Getragen und geborgen im Vertrauen auf Gott, treibt die Hoffnung den Menschen weiter, damit er das tun, was seine Aufgabe auf der Erde ist.


© Heiderose Gärtner-Schultz  2017   |    Impressum    |    Webauftrittt von itp Lanzarote