Abgrenzung Seelsorge, Beratung, Therapie


Wie kann Seelsorge heute von Beratung und Therapie unterscheiden werden? 

Ist eine haarscharfe Abgrenzung unter diesen Disziplinen überhaupt möglich, sinnvoll oder nötig? Ein Versuch ist es sicher wert. In der Seelsorge geht es um eine umfassende Wahrnehmung einzelner, in der die speziellen Probleme sehr persönlich aufgenommen und auch in Bezug auf den Glauben eingeordnet werden. Die Sorge um die Seele des Einzelnen und der Bezug zu Gott spielten eine große Rolle. 

Die Seelsorge früherer Zeiten hat sich heutzutage ausdifferenziert in Therapie, Beratung, Coaching, Supervision etc. Zudem gibt es gibt viele Formen von Therapien und Beratungen. Aber trotz dieser, zum Teil unübersichtlichen Vielfalt, können eine Reihe von Gemeinsamkeiten festgestellt werden. Gemeinsam sind viele Methoden. Zu nennen ist: Das Zuhören, das Wertschätzen, die Ressourcensuche und der Wille der Beratenden, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Beratung, Seelsorge und Coaching spielen sich in unterschiedlichen Kontexten ab, passieren in verschiedenen Anwendungszusammenhängen. 

Während die Seelsorge den Kirchen zugeordnet wird, sehe ich in der Beratung/Therapie die Arbeit mit dem einzelnen Menschen und seinen ihn belastenden Problemen, wobei das Coaching vorwiegend im beruflichen Bereich angesiedelt ist. Wird in der Seelsorge Gott bzw. Glauben nicht ausgeklammert, so kommt er in den anderen Beratungsformen nicht automatisch vor. Bemerkenswert ist, dass es eine Reihe von Arbeitsformen der Seelsorge gibt, die Beratung und Coaching in der Regel nicht anwenden. 

Hervorzuheben ist das Gebet, der Zuspruch von Vergebung, die Bibellese oder der Segen. Diese geistliche Vielfalt wird manchmal nicht genügend geschätzt und praktiziert. Das „zur Ruhe kommen“, das sich im Gebet zeigen kann, ist der Meditation ähnlich. Sie ist eine Form von Entspannungsarbeit, die allen Seelsorge- und Beratungsbereichen zugeordnet werden kann. Wie sich zeigt, kann es nicht um vermeintlich klare Trennungslinien gehen. Alles, was dem Menschen dient und hilft, sollte genutzt werden soll. Jede Form der Begleitungsarbeit kann im Leben eines Menschen seine Zeit haben, denn „alles hat seine Zeit“, wie der Prediger des Alten Testamentes sagt.


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