Elisabeth von Thadden


Ein tragisches Frauenschicksal erzählt die Geschichte vieler anderer ihrer Zeit. Elisabeth von Thadden (1890-1944) wurde am 1. Juli 1944 zum Tode verurteilt, weil sie sich „wehrkraftzersetzend und nicht nationalsozialistisch“ geäußert haben sollte. Zehn Wochen nach dem Richterspruch wurde das Todesurteil vollstreckt. Sie hatte gutgläubig zu einem Kreis um sie und ihre Familie, einen ihr bekannten Arzt eingeladen, der sich als Gestapo-Spitzel erwies. Bei diesen Treffen, 1943, wurde kritisch über die politische Entwicklung gesprochen und auch davon, dass der Krieg nicht zu gewinnen sei. Elisabeth hat sich ihren Fehler, diese Person einzuladen, nie verziehen, zumal noch andere, die an den Gesprächen beteiligt waren, zum Tode verurteilt wurden. Aber so war sie: vertrauensvoll und damit zugegebener Weise auch naiv. Sie sah in jedem Menschen zuerst, dass er ein Kind Gottes war und war überzeugt davon, dass in jedem Menschen ein guter Kern stecke. In dieser Art der Menschenwahrnehmung lag ihre große Stärke, die aber auch ihre Schwäche war. Ihr Lebenswerk macht besonders, das sie versuchte „jedem Menschen das Wertvolle zu entlocken, das sie und ihn selber zu neuen Möglichkeiten steigern könnte“. Sie gründete eine private Evangelische Schule und kümmert sich um Mädchen. Sie gab ihnen Kraft und Stärke und ermutigte sie zum Handeln. Diese Schule wurde in der Zeit des Nationalsozialismus geschlossen. Die Art und Weise, wie sie mithalf, dass aus Mädchen junge Frauen werden, kann als seelsorgerliche Tätigkeit verstanden werden. Jede Kritik, die sie anzubringen hatte, trennte sie von der Person. Sie kritisierte nur das Verhalten, um eine Besserung herbeizuführen. Gebildete, kluge und zum Selbstständigkeit im Denken und Glauben fähige Frauen wollte sie durch ihre pädagogische und seelsorgerliche Begleitung  erzeugen. Wobei sie gerade den speziellen Begabungen der einzelnen Aufmerksamkeit und Fürsorge einräumte. Vielleicht bedingte ihre tragische Jugend ihr Engagement. Sie, die die Ausbildung der höheren Töchter genossen hatte, sollte auf die Leitung eines großen Stadt- oder Landhaushaltes vorbereitet werden. Ihre Mutter starb als sie 19 Jahre alt war. Sie brach ihre Berufsausbildung ab, um dem Vater bei der Erziehung der jüngeren Geschwister und der Führung des Haushaltes zu unterstützen. Mit der Zeit übernahm sie diese Aufgaben vollständig, wurde dann aber überflüssig, als ihr Vater die Freundin seiner jüngsten Tochter, ehelichte und sie den Landsitz verließ, weil sie nicht mehr gebraucht wurde.


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