Elisabeth von Thüringen


Vor knapp einem Jahrzehnt, noch bevor die Feierlichkeiten zum Elisabethjahr in der Ost- und Mitteldeutschen Kirche, anlässlich ihres 800sten Geburtstages begannen, wurden sie der Öffentlichkeit restauriert gezeigt, die Wandmalereien im Nikolaiturm in Erfuhrt, die Elisabeth von Thüringen bei der Krankenpflege und Armenspeisung darstellen. Die Entstehung geht vermutlich auf den Deutschen Orden zurück. Neu wiederentdeckt gerade im Protestantismus wurde Elisabeth von Thüringen, die von 1207 bis 1231 lebte, und in der kurzen Zeit von 25 Lebensjahren einen bleibenden Eindruck hinterließ und bis heute auf Menschen hinterlässt. Das zeigt der seit 2002 begehbaren Pilgerweg, der "Elisabethpfad", der von Frankfurt nach Marburg führt. 2007 wurde ein weiterer Elisabethpfad von Eisenach nach Marburg, wo Elisabeth im Kloster starb, eröffnet. Es steht zu hoffen, dass die Anregungen des Elisabethjahrs von 2007 Früchte tragen und helfen, dem Vorbild der heiligen Elisabeth als eines noch heute herausforderndes und gewinnendes Beispiel des Glaubens zu folgen.

Elisabeth wurde als aufgewecktes Kind beschrieben, das mit vier Jahren aus der Heimat Ungarn nach Thüringen gebracht wurde. Durch machtpolitische Erwägungen wurde sie an den Hof des Landgrafen von Thüringen verpflanzt und die Heirat mit dem Thronfolger wurde versprochen, eine Erziehung der Zukünftigen am Hof, in den eingeheiratet wurde, war nicht unüblich.

Landgraf Hermann von Thüringen starb 1217 und Ludwig übernahm im Alter von 17 Jahren die Regentschaft. 1221 heiratete er die 14-jährige Elisabeth. Die Ehe, berichten die Quellen übereinstimmend, war glücklich. Ludwig von Thüringen war ein zielstrebiger Machtpolitiker. Seiner Ehefrau war er in einer für die damalige Zeit beachtenswerten Zuneigung und wohl auch Treue zugetan.

Ihre tätige Hilfe für Bedürftige und Kranke fand seine Unterstützung. 1223 gründete das Ehepaar gemeinsam ein Hospital in Gotha und sorgte mit Gütern, heute würden wir von einer Stiftung sprechen, für eine langfristige Existenz. Seit dieser Zeit war ein franziskanischer Laienbruder der geistliche Berater von Elisabeth von Thüringen und hatte sie mit den Idealen des Franz von Assisi bekanntgemacht, der ein Leben in Armut, Gehorsam und Keuschheit forderte.


Bei Elisabeth von Thüringen, die bereits als junges Mädchen dem höfischen Prunk am thüringischen Hof kritisch gegenüberstand, fielen die Lehren des Franz von Assisi, von Armut, Keuschheit und Gehorsam auf fruchtbaren Boden. Sie hüllte sich nicht in höfische Kleidung, sondern trug ein Büßergewand und verschenkte ihre kostbare Kleidung und ihren Schmuck. Sie verhielt sich nicht standesgemäß und kam den gängigen Erwartungen, die an eine Landgräfin gestellt wurden, nicht nach. Mit ihrer Haltung machte sie sich am Hof keine Freunde, sie war Außenseiterin, allerding hielt ihr Ehemann zu ihr. Der Ehe entsprangen drei Kinder, Hermann, Sophie und Gertrud. Der Sohn folgte dem Vater nach, das jüngste Mädchen wurde früh ins Kloster gegeben und stieg in die geistlichen Fußstapfen ihrer Mutter, auch Gertrud wurde heiliggesprochen. Elisabeth half Kranken und Armen. Die Standesgenossen sahen dies als entwürdigende Tätigkeiten an. Sie spann Wolle und webte mit ihren Dienerinnen daraus Tücher, die sie unter den Armen verteilte. Sie wusch und bekleidete Verstorbene und sorgte für ihre Beerdigung. Das Hospital am Fuß der Wartburg hatte Elisabeth von Thüringen zu Beginn des Jahres 1226 gegründet, als eine schwere Hungersnot zu einer Verelendung vieler Menschen führte. Der Hungerwinter 1225/1226 war auch der Anlass für die erste Hilfsaktion der Elisabeth von Thüringen. Sie ließ, weil ihr Mann unterwegs war, die landgräflichen Kornkammern öffnen, um die hungernde Bevölkerung zu versorgen. Die, die arbeitsfähig waren, erhielten Arbeitsgeräte und feste Kleidung, um für sich selber zu sorgen. Die am thüringischen Hof kritisierten Maßnahmen wurden durch Ludwig von Thüringen ausdrücklich gutgeheißen, als er wieder auf die Wartburg zurückgekehrt war. Konrad von Marburg wurde ihr neuer Beichtvater. Elisabeth unterwarf sich dem Willen des Konrad von Marburg und er übernahm die Pflicht, sie seelsorgerisch zu Vollkommenheit zu führen. Seine Begleitung war ausschlaggebend, dass sie sich von ihren Kindern und Verwandten trennt, um nur im Glauben zu leben und zu dienen, was dazu führte, das Tochter Gertrud, die nach dem Tod des Vaters geboren wurde, direkt einem Kloster übergeben wurde.


Mit dem Tode ihres Ehemannes war Elisabeth von Thüringen der Person beraubt, die sie vor dem offenen Konflikt am Hof beschützte. Der verborgen lodernde Streit brach aus, es ging das um Erbe, den Besitz. Ihr Beichtvater wollte die kirchliche Hand darauf legen, die Familie verhinderte dies, indem Elisabeth letztendlich abgefunden wurde. Von diesem Geld ließ sie ein Krankenhaus in Marburg errichten, in dem sie bis zu ihrem Lebensende den einfachsten aller Dienst, in Armut lebend, verrichtete. Bekannt wurde Elisabeth vor allem durch die Legendenbildung. Das Rosenwunder, nach der Elisabeth von Thüringen in einem Korb verdeckt Brot zu den Armen bringt, ihrem rückkehrenden Mann begegnet, von ihm vor vielen Adeligen zum Aufdecken des Korbs gezwungen wird und sich das Brot in Rosen wandelt, beschreibt weniger die Haltung von Ludwig als den Missgunst vieler höfischer Mitglieder, die das „Treiben“ von Elisabeth nicht billigen wollten. Elisabeth ist als Seelsorgerin interessant, weil ihr diakonisches Engagement dem Wunsch entsprang, die Menschen glücklich zu machen: „Seht, ich habe euch doch gesagt, wir sollen die Menschen fröhlich machen!“ Dieser Satz war wohl ihr Wahlspruch. Ihre Wirkung in der kurzen Zeit ihres Lebens von 25 Jahren war und ist enorm. Es ist die Kraft, die von ihrem überlieferten Handeln ausgeht. Sie war für die Menschen da, weil sie Gottes Geschöpfe sind, das war ihr Lebensinhalt. Ihr ziviler Ungehorsam am Hof zeigte, dass sie nicht über ihren Glauben stellte, der Barmherzigkeit und Armut und Einsatz für andere von ihr forderte. Ihre Nähe schenkte sie Sterbenden und Aussatzkranken, sie nahm keine Rücksicht auf sich selbst. Um ihre Hilfen anderen schenken zu können, gab sie ihre Kinder auf, die Jüngste wurde früh ins Kloster gegeben. In allem, was sie tat, richtete sie sich nach ihrem Beichtvater, in einem Gelübde hatte sie versprochen, ihm bedingungslos zu folgen. Vielleicht ist diese Entscheidung heute nicht leicht nachvollziehbar, aber auch heute stellen wir in unserem Leben Dinge hinten an, weil andere vorgehen. Wenn wir uns für den Frieden einsetzen, wird das Engagement an vorderer Stelle stehen, so dass anderes zurücktreten muss.

Seelsorge ist Begleitung und Beistand, aber bis heute auch immer wieder konkrete Hilfe in Form vom Kleidung und Essen für Menschen in Armut, Obdachlosigkeit und Not.


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