Joachim Scharfenberg


Das Zeitalter der Pastoralpsychologie

Wenn man auf die Entwicklung der Theologie und die Seelsorge schaut, kann man sagen, dass mit Aufkommen und Etablierung der soziologischen und psychologischen Wissenschaften, das Gespräch gesucht wurde und die Weiterentwicklung dadurch geprägt wurde. Heute ist das Gespräch mit den Naturwissenschaften der Quantenphysik angesagt, neue Dimensionen tun sich auf.

Die Pastoralpsychologie kann als Kind des Dialogs mit den Humanwissenschaften verstanden werden. Von der Seelsorge als Verkündigung geht es zur Seelsorge als Gespräch. Viele Vertreter dieser Schule hätten es verdient genannt zu werden, die vorgestellte Auswahl ist subjektiv und exemplarisch zu betrachten. Joachim Scharfenberg (1927-1996) war ein deutscher Praktischer Theologe, Pastoralpsychologe und Psychoanalytiker, er studierte  Medizin und wechselte aber nach einigen Semestern zur Evangelischen Theologie. Als evangelisch-lutherischen Pfarrer nahm er 1953/54 als einer der ersten Deutschen an einem Lehrgang in Klinischer Seelsorge (Clinical Pastoral Education) in den USA teil. Als Krankenhausseelsorger in Berlin ließ er sich Psychoanalytiker ausbilden und habilitierte mit einer Arbeit über Sigmund Freud und seine Religionskritik als Herausforderung für den christlichen Glauben. Als Lehrer für Praktische Theologie und als Autor prägte er Generationen von Studierenden. Neben seinem Lehramt unterhielt er weiterhin eine psychoanalytische Praxis. Seine Schrift „Seelsorge als Gespräch“ wurde zum Programm. Scharfenberg war 1972 einer der Gründer der Deutschen Gesellschaft für Pastoralpsychologie (DGfP) und für über 40 Jahre Herausgeber der Zeitschrift „Wege zum Menschen“. Als Mitbegründer ist Joachim Stollberg zu nennen. Pastoralpsychologie fragt nach der Person des Seelsorgers: Wer bin ich? Wie bin ich so geworden? Welche persönlichen Bedürfnisse leiten mich? Die eigenen Motive zu kennen erscheint wichtig, wenn man mit anderen Menschen zu tun hat und sie verstehen will. Gerade auf der Grundlage der Selbsterkenntnis ist es möglich, etwas vom Evangelium zu vermitteln und die Tradition des Glaubens zu erschließen.


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