Johann Arndt


Mit einem „eigentlich“, wie viele menschliche Leben, ist auch das von Johann Arndt (1555-1621), der aus Anhalt stammte, versehen, denn eigentlich wollte er Arzt werden und die Liebe zur Medizin ließ ihn sein Leben lang nicht los. Er wurde dann, wie sein Vater, Pfarrer. Seine Entscheidung, die Berufswahl zu ändern, geschah wohl aufgrund einer schweren Erkrankung, die ihm die Augen für die Tiefe des Daseins  öffnete. Er wurde zu einer zentralen Figur im theologisch-kirchlichen Kräftespiel der dritten Generation nach der Reformation und kann als Vater einer neuen Frömmigkeit, später Frühpietismus genannt, angesehen werden. Überall, wo er war, mischte er mit, seine erste Pfarrstelle in Anhalt musste er verlassen, weil er sich gegen den Fürsten stellte, der den Calvinismus begünstigte. Als fleißiger Bücherschreiber hielt er mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg. Man kann von einem „Bestseller“ sprechen, die „Vier Bücher vom Wahren Christentum“, die in viele Sprachen übersetzt wurden,  hatten einen unbeschreiblichen Erfolg. Er wollte praktische Anleitung zum christlichen Leben geben und er erwartete, dass jeder Christ alles tut, um ein vor Gott gutes Leben zu führen, das wollte er unterstützen. Da er Wert auf das Handeln legte, wurde ihm schnell Werkgerechtigkeit vorgeworfen, d. h. ihm wurde unterstellt, er würde an die Möglichkeit des Menschen, am eigenen Heil durch Werke und Tun mitzuwirken, glauben. Diesen Vorwurf wies er immer wieder vehement von sich und hob das reformatorische Credo hervor, dass der Mensch allein aus Glauben gerecht werde. Er berief sich auf die Kirchenväter und die mittelalterliche Mystik, verband diese aber mit den reformatorischen Erkenntnissen und entwickelte sozusagen eine evangelische Mystik. Gott schenkt dem Menschen das Heil, und im persönlichen Leben, ist es die Aufgabe, sich das Heil zu eigen zu machen, es anzunehmen durch eine gute und fromme Lebensführung, die zu einer großen Nähe zu Gott, einer Vereinigung, Verschmelzung mit ihm, führen kann. Wenn man so  will, kann man von einer evangelischen Pastoraltheologie sprechen. Er entfaltete eine evangelische Spiritualität, die mit Lebensanleitungen und Frömmigkeitsübungen jeden ernsthaften Christen seiner Zeit weiterbringen sollte. Und so schrieb er: „Darum lerne die Welt verlassen, ehe sie dich verlässt, sie wird dich sonst schrecklich betrüben. Wer in seinem Leben in seiner Seele die Welt verlässt, ehe er sie mit seinem Leibe verlassen muss, der stirbt fröhlich, und das Zeitliche kann ihn nicht betrüben.“


© Heiderose Gärtner-Schultz  2017   |    Impressum    |    Webauftrittt von itp Lanzarote