Johann von Staupitz


Johann von Staupitz war Vertrauter und Seelsorger von Luther und nicht nur von ihm, denn seine Predigten waren Seelsorge pur für viele Menschen. Vielleicht kann man einen seelsorgerlichen Ansatz, eine Theorie erkennen, durchscheinen sehen. Die menschliche Erfahrung beleuchtete er im Licht der Heiligen Schrift. Auf persönliche Probleme und Schwierigkeiten hin, konnte die biblische Botschaft aktualisiert werden. Jesus Christus blieb dabei das entscheidende Vorbild für menschliches Leben, das ist manchmal auch ein Thema für die Seelsorge von heute. Er setzte beim Menschen und dem, was ihn umtrieb an. Er zitierte nicht in erster Linie dogmatische Lehrsätze, er lässt Mensch und Schrift zu Wort kommen. Dieses Vorgehen beim Predigen implizierte Institutionen- und Kirchenkritik. Seine große Fähigkeit, von der auch Luther profitierte, war es, einen Menschen in seiner Gänze und mit seiner Umgebung, heute sprechen wir von Kontext, wahrzunehmen. Er, an den sich Luther in seinen Glaubensnöten wandte, war es wohl, der ihm gegenüber immer wieder die Liebe Gottes vor Augen führte und damit vielleicht auch die Erkenntnis Luther im Turmzimmer vorbereitete.

Luther kannte Staupitz seit 1506, als er ihm in Erfuhrt begegnete. Beide Männer blieben bis zum Tod von Staupitz zum Teil spannungsreich verbunden. Staupitz, der Anschieber von Luther Entdeckung, blieb seiner Kirche bis zum Tod treu, auch wenn er klar bekannte, dass es keine Mitwirkung des Menschen zum Heil gäbe. Luther übernahm 1512 seinen Lehrstuhl. Luther hielt zeit seines Lebens große Stücke auf ihn, „ohne den er nichts wäre“.

Johann von Staupitz wurde 1465 in Sachsen geboren, studierte Theologie und trat in den Augustinnereremitenorden ein. Im Blick hatte er ein ganzes Leben die Reform des klösterlichen Lebens. Er wurde nach Tübingen geschickt, wo er lehrte und promoviert wurde. 1502 wurde er von Kurfürst Friedrich von Sachsen an die Universität Wittenberg berufen. Sein Wirken, das oft im Verborgenen stattfand, macht ihn bekannt. Er war kein Theoretiker der Seelsorge, sondern ein Handelnder und ein von tiefer Frömmigkeit geprägter Mensch, der ein feines Gespür für die Nöte seiner Zeitgenossen hatte. Was er predigte, lebte er auch, er war, so sagen wir heute, authentisch. Ihm glaubte man, was er sagte, weil er es vorlebte.


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