Katharina Staritz


An das tragische Schicksal der Katharina Staritz (1903-1953) soll mit diesen Zeilen erinnert werden. 1903 in Breslau geboren, ermutigte sie in den schweren Zeiten des Dritten Reiches zum Gott-Vertrauen in Gottes-Finsternis. Seit dem Beginn des 20sten Jahrhunderts konnten Frauen in Deutschland studieren und mit der Republikverfassung von 1918 wurde ihnen der volle Zugang zum Studium gewährt. Staritz studierte Theologie, schloss mit beiden Examen ab und wurde promoviert. Ein prinzipieller Zugang zum Pfarramt wurde gewährt, die Frauen wurden aber nur „Vikarinnen“ und durften einen reduzierten Pfarrdienst wie Wortverkündigung an Frauen und Kindern und Unterricht leisten, sie mussten unverheiratet bleiben. Staritz arbeitete in Breslau  am Kinderkrankenhaus, dort begrüßten sie die kleinen mit „Tante Pastor“. Der zweite Zweig ihrer Beauftragung war Betreuen von Ein- und Übertrittswilligen, darunter waren auch etliche Juden.

Staritz hatte sich spätestens 1934 eindeutig auf die Seite der Bekennenden Kirche gestellt, sie gehörte dem Pfarrernotbund an und unterstützte die Theologische Erklärung von Barmen. In der dramatischen Zeit um die Novemberprogromnacht übernahm sie die „Vertrauensstelle Breslau“, eine von Mitgliedern der Bekennenden Kirche eingerichtete Hilfsstelle für bedrängte Judenchristen. Rechtliche, materielle Hilfen, sowie Unterstützung bei Auswanderungsvorhaben sollten geboten werden. Eine solche konkrete kirchliche Unterstützung gab es in einigen Kirchen. In der Pfalz gab es eine solche Hilfeeinrichtung jedoch nicht, wie die neuesten Erkenntnisse zur Nazivergangenheit der Ev. Kirche der Pfalz herausstellte. Aus ihrer fürsorgenden und unterstützenden Arbeit, erwuchs politische Einmischung in dem Augenblick, als 1941 das Tragen des gelben Judensterns verordnet wurde, dies galt auch z.B. für christliche Nachfahren ehemaliger Juden. Sie verfasste einen Rundbrief an die Breslauer Pfarrer, in dem sie ich ausdrücklich auf ihrer Aufgabe als Seelsorgerin bezog, und äußerte ihre Bedenken bezüglich der Polizeiverordnung. Sie verurteilte implizit die Anordnung, die das Tragen des Judensterns vorschrieb. Die christlichen Gemeinden lud sie ein, die Christen mit jüdischen Wurzeln besonders Wert zu schätzen und dies im Gottesdienst auch zu zeigen.


Die im Reichsgesetzblatt 1941 veröffentlichte Polizeiverordnung sah vor, dass es eine Kennzeichnung aller Juden durch einen gelben Stern geben solle. Gemeint waren alle als nicht arisch ausgewiesenen Menschen. Das nahm Katharina Staritz, die in der Bekennenden Kirche engagiert war, zum Anlass, sich öffentlich zu äußern. In einem Rundbrief an die Breslauer Pfarrer schrieb Staritz dazu: „Zu den von dieser Ordnung betroffenen Menschen gehören auch einige unserer Gemeindeglieder und zwar, wie mir von einzelnen Fällen her bekannt ist, auch solche, die schon seit mehreren Jahrzehnten treue Mitglieder der evangelischen Gemeinde sind, und solche, die als Säuglinge getauft wurden, evangelisch erzogen und konfirmiert sind, also nie etwas mit jüdischer Religion zu tun hatten. Viele von ihnen sind treue Gottesdienstbesucher.“ Sie wandte sich gegen diese Kennzeichnungspflicht und empfahl den Gemeinden eine besondere Wertschätzung der Betroffenen. Das Ergebnis dieses Engagement war, das sie 1942 verhaftet und ins Konzentrationslager Ravensburg gebracht wurde. Ihre Erfahrungen aus dieser Zeit brachte sie zu Papier in Berichten und Versen mit dem Titel: Des großen Lichtes Widerschein. Sie berichtete, wie sie heimliche gottesdienstliche Feiern durchführte. “Ich habe jeden Sonntag aus Bibel und Gesangbuch Gottesdienst gehalten, freilich nur einer kleinen Gruppe. „…Ich nahm als Text stets ein Wort, das wie für unsere Lage geschrieben schien.“ Auch ihre Korrespondenz mit dem als Liederdichter bekannten Jochen Klepper ist zum Teil erhalten. Er studierte mit ihr Theologie wurde aber aufgrund seiner jüdischen Abstammung und seiner Eheschließung mit einer Jüdin verfolgt. Er nahm sich das Leben und Katharinas Schwester versuchte ihr die Botschaft verschlüsselt ins Lager weiterzugeben.

Sie überlebte, musste dann aber in ihrer Kirche erleben, dass die Frauen in ihren Kirche eher wieder zurückgedrängt wurden und oft nur Vertretungsaufgaben übernehmen durften bis ein Pfarrer aus der Kriegsgefangenschaft zurückkam. Kirchenpräsident Niemöller verbeamtete sie und beauftragte sie mit der Frauenarbeit in Frankfurt. Ein Jahr nach der offiziellen Amtseinführung erkrankte sie an Krebs. Die letzte Predigt im Januar 1953 richtete sich gegen das „Fassadenchristentum“. Sie starb am Karfreitag desselben Jahres.


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