Manfred Josuttis


Energetische Seelsorge

Als Experte für den Umgang mit der Erfahrung des Heiligen gilt für Manfred Josuttis (1936), emeritierter Professor für Praktische Theologie an der Universität Göttingen, der Pfarrer, die Pfarrerin. Unter dem Titel „Mystagogik“ entdeckt er den Pfarrer als Reiseführer, der aus dem Alltag in eine neue Welt führt und als Theologe von der Macht des Geheimnisses Gottes weiß und über mystische Kompetenz verfügt. Er „muss die Rätsel der Wissenschaft und die Geheimnisse der Kunst hinter sich lassen, um in die Mysterien der Religion zu gelangen. Durch den Transritus aus der einen in die andere Welt geschieht Mystagogik“.

Das Evangelium befreit von Gesetz der Weltlichkeit und eröffnet einen anderen "Freiheitsraum". Josuttis betont den Leib als Raum, in dem sich das Göttliche ereignet und gespürt werden kann. Er sieht im Hören eine wichtige leibliche Erfahrung, die zur Wahrnehmung des Göttlichen führt. Dadurch wird Seelsorge zur leiblichen Vermittlung der Gotteserfahrung. Wie die Vermittlung von Lebensenergie durch Spiritualität denkbar ist, zeigt Josuttis unter Einbeziehung fernöstlicher Vorstellungen. Das diese ganzheitliche Sicht der Leib orientierten Seelsorge sich auch um Heilung bemüht, leuchtet ein. Ein energetischer Austausch soll stattfinden, von negativen zu positiven Kräften hin. Stichworte sind hierbei: Die Unterscheidung von guten und bösen Mächten, Wahrnehmung eines Heilungsprozesses, Vertreibung der Trauermacht, Geistheilung durch die göttliche Macht und die Kräfte der geistigen Welt. Das Gebet ist eine der wichtigsten Handlung, das die Kontaktaufnahme mit der Lebenskraft des Heiligen ermöglicht. In der Verkündigung der Evangelien zeigt sich, dass der Glaube eines Menschen zur Heilung beiträgt: Menschen befinden sich dadurch, dass sie vom Glauben erfasst sind, zu ihrem Heil im Raum des Evangeliums und erfahren, wegen der in diesem Raum wirkenden Gottesgaben, Heilung. Auftragsgemäße Seelsorge ist da, wo der Seelsorger sich dem Wirken der göttlichen Kräfte zur Verfügung stellt und so wieder vom Theologen zum wahrhaft Geistlichen wird. Leitvorstellung der Seelsorge ist nicht mehr die Identität des Gegenübers, sondern der Vorgang der Umwandlung schlechter Kräfte in heilsame Energien.


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