Geburt Jesu als Beziehungsgeschehen

Die Geburt Jesu, ist das Geschehen, das viele Menschen jedes Jahr beschäftigt. Davon wird in der Bibel berichtet und jedes Jahr neu aus dem Matthäusevangelium vorgelesen. Wenn wir es mit modernen Kategorien interpretieren, ist es ein Begegnungs- und Beziehungsgeschehen.

Menschen erleben das ganz Andere: Das Leben der Hirten wird jäh durch helles Licht unterbrochen. Ihnen wird eine Botschaft zu gemutet, die nicht in ihr Leben passt. Sie sind Auserwählte für ein außergewöhnliches und einzigartiges Geschehen. Wieso sie, die sie einen Platz am Rande der Gesellschaft inne hatten? Gott stellt zu ihnen eine Beziehung her, in dem er ihnen die Botschaft sagen und sie direkt am Geschehen an der Krippe teilnehmen lässt; er bietet ihnen Teilhabe an diesem großen Ereignis an. Die Zeichen, an denen die Hirten den Heiland erkennen sollten waren: das Kind ist in Windeln gewickelt, so wir jedes Kind und es liegt in einer Krippe, lebt also in ärmlichen Verhältnissen. Es ist von keinem Wunderkind mit Heiligenschein die Rede. Gott wird ein hilfloses Baby. Dadurch wird alles Kleine und Unwichtige wertgeschätzt. Im Unscheinbaren wird von nun an Gott erkannt. In kleinen Gesten, Dingen, Gegenständen und Lebenserfahrungen ist Großes zu finden.

Wenn Gott einer von uns Menschen wird, verkehrt das alle menschlichen Maßstäbe. Eine neue intensive Form der Bindung wird uns ermöglicht. Das Ferne wird nah, wir werden ein Teil des Fernen. Eine andere Kommunikation wird möglich zu dem menschgewordenen Gott. Wir können “ Du“ zu ihm sagen, er ist unser Bruder. Jeder, der damals oder heute an Weihnachten dabei ist, erlebt das was geschieht auf seine eigene Weise, nimmt das Beziehungsangebot an oder nicht. „Ich steh an deiner Krippen hier, oh Jesu, du mein Leben“, schreibt Paul Gerhardt, er, der viel später lebte, auch er steht an der Krippe. Die Menschwerdung Gottes passiert in jedem Augenblick neu, es gibt eine Gleichzeitigkeit zum Geschehen von damals.

Die Sehnsucht nach Frieden und Liebe an Weihnachten ist die Suche nach unserer Heimat, die in Gott ist. Weihnachten ist mehr als ein Familienfest, es erinnert uns und lässt uns spüren, dass wir IHM begegnen können, weil Er zu uns kommt.


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