Leben


Unterwegs sein

Zwischen Zeit und Ewigkeit, die betrachtet worden sind, liegt das Leben eines jeden Menschen. Wie ein Fluss zieht das Leben eines Menschen dahin, mal gemächlich fließend, mal reißend. Der Mensch ist im Leben unterwegs auf vielfältige Weise. Er begibt sich von einem Ort zum anderen. Morgens verlässt er sein Zuhause, um zur Arbeit zu gehen. Er reist in andere Länder, wechselt die Orte. Er ist aber auch „beziehungsmäßig“ unterwegs. Von den Eltern zu den Partnern und Kindern. Er bewegt sich in Bekanntschaften und Freundschaften. Er ist zeitlich unterwegs, vom Kind zum Erwachsenen und Alten.

Alles fließt, panta rhei, was bleibt? Oder muss und soll etwas bleiben? Die Bibel erzählt von Menschen, die unterwegs sind, die Gott sozusagen auf die Reise ihres Lebens schickt. Abraham folgt Gottes Ruf und zieht in fortgeschrittenem Alter in ein neues Land, er bricht auf. Dazu muss er alles, was er aufgebaut hat ab-brechen, Zelt und Kontakte.

Ständig ist der Mensch aufgefordert, sich auf neue Situationen einzurichten. Manchmal ist es Belangloses, manchmal Schwerwiegendes, was veranlasst das Leben anders zu ordnen. Da ist die 83 jährige Frau, die sich nach 61 Ehejahren praktisch zu ersten Mal im Leben alleine fühlt. Es kommt plötzlich eine Behinderung, eine Einschränkung und die alltäglichen Dinge können nicht  mehr erledigt werden. In seinem Buch “Steh auf“, Bekenntnisse eines Optimisten, beschreibt Boris Gundl wie er vom Profisportler zum Querschnittgelähmten wird, wie das sein Leben in Frage stellte. Er war auf „Erfolg gepolt“ und stürzte ins Nichts, landete nach dem Sportunfall, ein Sprung von den Klippen, mit Jahre dauernden Krankenhausaufenthalten, beim Sozialamt. Heute arbeitet er als Unternehmensberater und ist Vater von zwei Kindern. Er hat sich und sein Leben durch den Unfall gefunden, es war sein „Aufprall ins Leben“, so berichtet er in Interviews. Abraham wurde aufgefordert alles hinter sich zu lassen und in ein anderes Land auf zu brechen. Das Einzige, was ihn trug, war sein Glaube an den Gott, der mit ihm geht. Boris Gundl weiß für sich, dass er diesen Weg zu sich gehen musste und dass sein Schicksal kein Zufall war, sondern er hat es als Fügung Gottes erlebt, für die er heute dankbar ist „er würde wieder springen“, wenn er die Wahl hätte.


Leben NT

Selbstinszenierung, Unterwegsein im Leben sein, um sich selbst finden, sind moderne Schlagworte.

Selbstverwirklichung, dem eigenen Leben auf die Spur kommen, ist Aufgabe eines jeden Menschen.  Aber was bedeutet das? Was will Gott von mir auf dieser Welt, was ist mein Auftrag? Jede Generation sieht andere Möglichkeiten den Sinn des Lebens zu entdecken. Heute geht es oft um die passende Lebensform in oder ohne Partnerschaft, mit oder ohne Kinder, im Beruf oder in anderen Tätigkeitsfeldern etc..

Im Alten Testament wird das Leben eines Menschen als flüchtig, nichtig und schnell vorbei beschrieben. Das Leben ist wie ein Tag, wie eine Nacht oder ein Schlaf (Ps 90). Was macht Sinn in diesem  „bisschen Leben“ für den Menschen der damaligen Zeit? Der Prediger beantwortet diese Frage folgendermaßen: „Da merke ich, dass es nichts Besseres dabei gibt, als fröhlich zu sein und sich gütlich zu tun in seinem Leben. Denn ein Mensch, der da isst und trinkt und guten Mut hat bei all seinen Mühen, das ist eine Gabe Gottes.“ (Pred 3, 12,13) Da im alttestamentlichen Leben Gott im Alltag in einer selbstverständlichen Weise vorhanden war, reichte diese Beschreibung von Leben, die sich im Tagwerk tun und für sich selbst zu sorgen, erschöpft.

Im Neuen Testament ist viel von Leben und Lebendigsein die Rede; da ist Leben mehr als Essen und Trinken (Mt 6,25). Dem irdischem Leben wird auf der einen Seite ein hoher Stellenwert eingeräumt, denn es ist von Gott gegeben (Mt 28, 18 - 20) auf der anderen Seite ist es angesichts des ewigen Lebens unwichtig (Mt 10,39). Bereit zu sein, sein Leben aufzugeben, ist Voraussetzung, um Jesus nachzufolgen (Lk 14,26).  Das war keine leichte Aufgabe für die Jünger, die an ihrer Heimat, Familien und Freunden hingen, wie wir heute auch. An erster Stelle ist der Glaube, die spirituelle Verortung in Jesu Worten gefordert.

Das richtige, gute oder selbstverwirklichte Leben zeigt sich bei den Evangelisten in anderen Zusammenhängen, als in denen, die heute genannt  werden. Jesus ist nach Johannes der, der das Leben bringt (Joh 10,11; 14,6). Wer sich an Jesus hält und seine Worte beherzigt, der ist auf dem richtigen Weg im Leben und im Sterben.

 

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