Stein


Wer einmal ein Steinchen im Schuh hatte, weiß, wie der bei jedem Schritt quälen kann. Er ist klein, verursacht Großes, weil er sehr hart ist. In den pfälzischen Kirchen gibt es Altäre aus Sandstein: Das ist ein weicherer Stein, der sich gut bearbeiten lässt. Steine repräsentieren Härte, aber „der Tropfen höhlt den Stein“.

Die ersten Gedenkstätten, Altäre, von denen die Bibel berichtet, sind aus Steinen aufgeschichtet. Jakob träumt von einer Himmelsleiter (1. Mose 28, 10ff). Bevor er sich zur Ruhe begab, hat er einen Stein in die Nähe seines Kopfes gelegt. Im Traum sagt Gott ihm Land und Nachkommen zu und verspricht, dass er Jakob begleiten und behüten wird. Als Jakob erwacht, ist er sicher, dass dieser Gott, der ihm im Traum begegnete, sein Gott sein soll. Als Zeichen errichtete er mit diesem Stein und vielen anderen ein Denkmal, er goss Öl darüber und nannte den Ort „Bethel“, Haus Gottes. Die aufgeschichteten Steine stehen für ein steinernes Gotteshaus, das an dieser Stelle entstehen wird. Das Übergießen mit Öl ist für mich analog einer Königssalbung zu sehen, fast schon eine Einweihung auf die Zukunft hin, denn aus diesem Steinhaufen soll einmal eine Kirche werden.

Steine können Zeichen und Symbole sein, wie sie einen heiligen Ort markieren oder wie die 12 Steine, die die Stämme Israels repräsentieren (1. Kön 18, 31).

Aber es kann auch der Stein des Anstoßes, ein Fels des Ärgernisses sein (Jes 8,14), dieser Prophet den Jahwe sendet. Von besonderer Bedeutung ist der Eck- oder Grundstein. Er muss Halt geben und genau gelegt sein, da er den Bezugspunkt für die weiteren Bauarbeiten bildet und für die Statik des Gebäudes entscheidend ist (Ps 118,22; Mt 21,42). Deshalb wird als Eckstein ein besonders großer und stabiler Stein benutzt. Im Neuen Testament wird der Eckstein, den die Bauleute verworfen haben (Lk 20,17) zum Symbol für Jesus Christus. An einem Stein kann man sich stoßen, Gottes Botschaft ist „an-stößig", sie widersetzt sich menschlichem Verstehen und sie ist die Stabilität, der Eckstein des Weltgebäudes.

Bis heute kann der Stein Unterschiedliches bedeuten, einmal sind es die Steine, die einem in den Weg gelegt werden, aber auch aus diesen lässt sich etwas Schönes bauen. Wenn Propheten Gutes von Gottes her verkünden sollen, wird die Heilszeit Mithilfe der Pracht der Steine, Diamanten Rubinen beschrieben (Jer 54, 12,13).


Stein 2

Praktisch gesehen haben Steine den Menschen seit jeher als Werkzeug gedient. Nicht selten wurden sie als Waffen benutzt oder gegen andere Menschen im Rahmen einer Steinigung verwendet. Jesus sagt dazu: „Wer unter euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein“ (Joh 8,7).

Der Samen, den der Sämann verstreut, wird nur wachsen, wenn er auf Erde fällt. Das Samenkorn, das auf Steiniges fällt (Mt13,20), stirbt, weil es nicht genügend Nahrung erhält.

Mit einem Stein kann man nicht kommunizieren, er ist stumm (Hab 2,19). Ein verängstigter Mensch ist wie ein Stein (2. Mose 15,16). Die Härte des menschlichen Herzens wird mit der Härte des Mühlsteines verglichen (Hiob 41,16). Ein steinernes Herz (Hesekiel 11,19) ist ein hartes, unbeugsames Herz, das nur Gott in ein lebendiges Herz verwandeln kann. Lebendige Steine dürfen die Christen sein (1Petrus 2,4;5), weil Gott sie angerührt hat. Wer nicht glaubt, sieht in Jesus den Stein des Anstoßes. Aber wer glaubt, der sieht in ihm den Eckstein.

Zur Salzsäule erstarren, wie versteinert sein, das beschreibt, was mit Lots Frau passierte, als sie Sodom und Gomorra verließen, weil Gott die Familie vor dem Untergang bewahren wollte. Menschen erstarren, wenn sie einen Schock erleiden oder in eine Depression fallen. Was kalt und starr ist, kann wie ein Stein sein, aber die Stärke und die Macht des Steins zeigt sich im Sinnbild vom Felsen.

Gott ist ein starker Fels, Unvergänglichkeit und Ewigkeiten werden assoziiert, wenn man dieses Bild benutzt (Psalm 27). Wer sein Haus auf den Fels baut (Mt 7,24), der hat einen guten, soliden Untergrund. Petrus wird als Fels bezeichnet, auf den die Gemeinden bauen können (Mt 16,18). Gott ist der Fels in der Brandung des Lebens, er bleibt bestehen; auf ihn ist Verlass: „Denn er ist mein Fels, meine Hilfe, mein Schutz, dass ich gewiss nicht fallen werde“ (Psalm 62,3).

Mit Felsbrocken werden in Gebirge hineingehauene Gräber verschlossen. Der Stein, der das Grab Jesus verschloss, war weggerollt (Mk 16,3; 4), als die Frauen zum Einsalben kamen. Der Stein, der das Grab versiegelte und der Macht des Todes sinnbildlichen Charakter verlieh, war weggewälzt; die Verbindung mit dem Leben hergestellt. Steinchen, die Juden auf ihre Gräber legen, bedeuten das Anklopfen an der Grabestür.


Berg

„Als er aber die Volksscharen sah, stieg er auf den Berg.“ Das sind die Anfangsworte, denen die Bergpredigt ihren Namen verdankt. Etliche Berge werden in der Bibel genannt: Carmel, nachdem die Schweigeklöster genannt sind, Gilboa, Tabor und den Zion in Jerusalem. Wenn Jesus auf den Berg steigt und dieser nicht näher bezeichnet ist, ist der Sinai-Berg gemeint, der Berg von dem Mose die Gesetzestafeln mit den 10 Geboten herabbrachte.

Zuvor war Mose an einem Berg, dem Berg Horeb von Gott berufen worden. Dort macht er Mose durch ein Naturphänomen, den brennenden Dornbusch, auf sich aufmerksam und nimmt ihn in seinen Dienst.

Der Berg steht für Beständigkeit und Ewigkeit und ist gleichzeitig das Symbol für Gottes Nähe. Auf dem Berg suchten die Menschen Gott und sprachen vom heiligen Berg (Psalm 15,1) „Wer wird auf des Herren Berg gehen?“, fragt der Beter im Psalm 24,3. Nur Auerwählten ist dies möglich. Die Unerschütterlichkeit der Berge gerät ins Wanken, aber Gottes Gnade und sein Frieden ist bestehen, wenn Berge weichen und Hügel hinfallen (Jes 54,10).

Der Berg als Zeichen besonderer Gottesnähe wird von Jesus zum Beten aufgesucht (Mt 14,23). Aber auch der Teufel führt Jesus auf einen Berg, um ihn zu versuchen (Mt 4,8). Der Berg ist sehr hoch und bietet einen hervorragenden Blick über die Güter und Reichtümer der Gegend. Mit diesem Überblick, was alles zu haben ist, soll er „geködert“ werden. Jesus widersteht diesem Angebot und wendet sich vom Teufel ab.

Wer Jesus nachfolgen will, so beschreibt es das Matthäusevangelium, hat hohe Hürden zu überwinden: „Denn wer sein Leben retten will, der wird es verlieren“. Das sind Worte an alle Jünger gerichtet. Wenige Tage später geht er mit drei Jüngern auf einen Berg, wo sie alleine waren (Mt 17). Die Jünger werden auf dem Berg Zeuge einer Verwandlung Jesu. Leuchtende Herrlichkeit umgibt ihn und aus einer hellen Wolke ist zu hören, „dies ist mein geliebter Sohn. An ihm habe ich Freude und ihr sollt auf ihn hören!“

Die Mächtigkeit der Berge fasziniert Menschen bis heute und sie machen sich immer wieder auf, um sie zu „bezwingen“. Einen anderen Blick zum Berg wirft der Beter des 121 Psalm: “Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher wird mir Hilfe kommen? Meine Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat…”


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