Tür


„Mit der Tür ins Haus fallen“, dieses Sprichwort deutet Eile und Überfallartigkeit eines Vorhabens an. Da scheint es, als wenn es keine Zeit hat, Das Sprichwort betont, wie wichtig es ist eine Tür ordnungsgemäß auf und wieder zu zumachen. Sie ist der Eingang, der Eintritt ins Haus. Immer, wenn wir eine Tür aufmachen, gehen wir nicht nur von draußen nach drinnen oder von einem Zimmer zum anderen, wir gehen aus einer Situation, in der wir uns befanden in eine andere. Wenn man eine Tür öffnet, weiß man nicht, was einen dahinter erwartet. Jeder von uns, hat eine Erwartung, was sein wird, wenn er die Klinke herunterdrückt, aber ob die Erwartung eintrifft, das wissen wir nicht. Evtl. ist es Neues und Unbekanntes, das auf uns wartet. Deutlich erlebt man das, wenn man einen Besuch im Krankenhaus macht. Es ist oft etwas Anspannung zu spüren. Was erwartet mich hinter der Tür, wie wird es dem anderen gehen? Die Tür ist ein Symbol für den Übergang, für das Verlassen des Alten und das Zugehen auf Neues.

Jede Tür hat eine Schwelle, die übertreten wird. Von ihr leiten sich Begriffe wie Schwellenrituale etc. ab. Die Schwelle eines Hauseinganges markiert und symbolisiert den Übergang zwischen öffentlicher und privater Sphäre. Diese Schwelle bildet eine Art Niemandsland, ein „betwixt and between“ (Victor Turner), bedeutet „Dazwischen“ zu sein. Die Tempeltür trennt den heiligen Bereich vom profanen Leben. Wer durch sie hindurchschreitet, verhält sich dem Heiligen angemessen in Kleidung und Lautstärke.

Wir begleiten z.B. mit einer kirchlichen Hochzeit oder einer Beerdigung einen Lebensübergang, das entspricht einem Schwellenritual. Arnold van Gennep (französischer Ethnologe, 1873-1957) betonte,  dass egal um welchen Übergang es sich handelt, es um ein Ziel geht, nämlich: das Individuum von einer definierten Situation in eine andere strukturierte Situation zu überführen. Menschen brauchen diese Schwellen wie Geländer, um die Herausforderung eines Übergangs zu bestehen. Viele solche Rituale praktizieren wir bei „kleinen“ Übergängen, wie beim „Auf Wiedersehen-Sagen“, dem „Abschiedskuss“, dem „Gute Nachtkuss“ beim Übergang vom Tag zur Nacht.

Wenn die Türen weit aufgestellt werden, dann erwarten wir jemanden, etwa einen Gast oder die Ankunft Christi an Advent: „Macht hoch die Tor, die Tür macht weit, es kommt der Herr der Heiligkeit.“ ( EG 1,1; Psalm 24,7)


Die Tür im Haus, in der Wohnung verbindet mit der Außenwelt, gleichzeitig bietet sie Schutz vor Äußeren, weil sie der Zugang zum bergenden Heim ist. Die Tür teilt in ein Innen und ein Außen, sie ist Symbol des Übergangs.

Gerade Türpfosten und Türschwelle können zu rettenden Zeichen werden. Kurz vor dem Auszug der Israeliten aus Ägypten im zweiten Buch Mose geschieht die letzte Plage, die erstgeborenen Söhne der Ägypter werden getötet. Um die Kinder der Israeliten zu verschonen, wurden die Türpfosten mit Blut bestrichen (2. Mose 12). Das Blut an der Tür war ein Schutzzeichen, es bedeutete: hier kommt der Tod nicht hinein.

Gott begegnet Jakob im Schlaf, er träumt von einer Himmelsleiter, auf der die Engel auf und ab gehen. Als er erwacht, weiß er, dass Gott ihn begleiten wird und es wird berichtet, dass sich ihm der Himmel aufgetan hat: „hier ist die Pforte des Himmels (1. Mose 28,17). Eine Öffnung zu Gott hin wird durch das Sinnbild der Tür, an dieser Stelle mithilfe des Begriffs Pforte, beschrieben.

Wie die Tür der Zugang zum Haus ist, so waren die Tore die Eingänge, die Öffnungen in die Städte hinein. Im Tor, im Durchgang wurde Wegegeld, Zoll, der die Gebietsgrenzen markiert, erhoben. Man verließ ein Territorium, um in ein anderes zu kommen. Das Stadttor wurde als ein besonderes Gebiet wahrgenommen. Der Bereich des Tores markierte den Gerichtssaal, dort wurde Recht gesprochen, sei es in Grundstücksangelegenheiten oder bei Diebstahl und Mord.

Im Neuen Testament ist das Tor, die Tür Sinnbild für den Zugang zum richtigen Leben und zum Glauben. Die törichten Jungfrauen, die für ihren langen Weg nicht genügend Öl für ihre Lampen mitgenommen haben, stehen vor verschlossener Tür (Mt 25,1-12). Es heißt heute häufig: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“. Die verschlossene Tür ist ein Bild für die versäumte Möglichkeit zur Rettung.

„Ich bin die Tür, wer durch mich hineingeht, wird Heil erfahren“ (Joh 10,7f.). Jesus bezeichnet sich nach Johannes als Tür. An ihm entscheidet sich, ob ein Mensch die Zeichen der Zeit erkannt hat und zur Nachfolge bereit ist, ob er drinnen, bei ihm oder draußen ist. Wem die Tür des Glaubens geöffnet ist (Apg14,27), der kann den richtigen Weg beschreiten.

 

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